Von:
Uta Schmechta

e-chancen.de

Sie sind jung, oft nicht mal zehn Jahre alt. Aber in ihren Augen, in ihren Händen hat sich ein Wissen angesammelt, das auch für einen Erwachsenen zu schwer zu tragen ist. Sie haben Waffen gehalten und sie haben getötet. Ihr Erfahrungshorizont sagt ihnen: „Du musst schneller sein, härter, gemeiner, hart gegen dich und andere – um zu überleben.“ In zahlreichen Ländern dieser Erde werden Kinder als Soldaten missbraucht, zum Beispiel in Afrika, oft schon mit fünf oder sechs Jahren, Jungen und Mädchen. Sie werden verschleppt, unter Drogen gesetzt. China Keitetsi war eine von ihnen.

Mit acht Jahren wurde sie ins Lager einer ugandischen Rebellenarmee verschleppt. Sie musste den Umgang mit Waffen lernen. Sie verlor ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit. Das bedeutete für sie als Mädchen auch, von älteren Kameraden oder von Vorgesetzten vergewaltigt zu werden. Sie hat zwei Kinder. Den Vater ihrer Tochter kennt sie nicht.

China Keitetsi gelang nach elf Jahren Überlebenskampf die Flucht nach Europa. Sie hat ein Buch geschrieben über ihre Erfahrungen, der Titel: „Sie nahmen mir die Mutter und gaben mir ein Gewehr.“ Damit lenkt sie die Aufmerksamkeit auf das Schicksal von weltweit über 300.000 Kindersoldaten. Es gibt mittlerweile verschiedene Initiativen und Hilfsorganisationen, die diesen Kindern Chancen für ein halbwegs normales Leben eröffnen wollen. Sie bieten Programme, um mit den inneren Verletzungen und den eingeschliffenen Verhaltensweisen von Gewaltbereitschaft umzugehen.

Fußball spielt in der Rehabilitation eine wichtige Rolle: Wer gelernt hat, Konflikte mit der Waffe zu lösen, braucht einprägsame Gegenerfahrungen, wie man bei Auseinandersetzungen gewaltfrei handeln kann. Der Teamsport stärkt das Vertrauen der Kinder in sich und andere, baut Agressionen und Frust ab, fördert den Teamgeist. Und sie dürfen das sein und tun, was ihnen viel zu früh weggenommen wurde: Kind sein und spielen.

Anmerkung der Redaktion: Die auf dem Foto abgebildete Person steht in keinerlei Zusammenhang mit dem Inhalt des Artikels.